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Geständnis.

I.

1937. Mit der neuen Straßenbahn fuhr ich das erste Mal. Und das letzte Mal. Ich saß hinten. Das prächtige Amtsgericht erschien vor mir. Ich tat mich schwer, auszusteigen. Nach endlosen Treppen erreichte ich den "Gang 8".

Als ich damals in jenes Zimmer kam, überfiel mich ein noch nie erlebtes Gefühl von Hilflosigkeit, welche dann mit Angst verbunden wurde. Ungefähr so, als würde man Sie in einem riesigen, dunklen Wald aussetzen, und Sie wüssten nicht, wo Sie sind. Nachts. Ich werde bald sterben. Verurteielt. [...] Die Tür fiel hinter mir ins Schloss und mit ihr fiel auch meine Sicherheit und.. Würde. Rasendes Herz, schweres Atmen. // Ich erinnere mich. Ich einst fühlte ich mich Ähnlich, wo neben meinem Apartment, Zimmer 47 in der Brandstraße eingebrochen wurde. Ich wurde wach und die Türen waren dünn - hilflos, ängstlich. // Ich machte einen Schritt voran. Entschlossenheit pakte mich kurzweilig, den Gehrock nach hinten gezogen los zu gehen. Wieder blieb ich stehen. Meine Augen suchten eine monotone Fläche zum Nachdenken. "Was mache ich hier? Wieso muss ich eigentlich.." Immer wieder stellte ich mir diese Frage zwischen dem Bild von einer Burg und der kahlen, rauen grauen Wand zur Rechten. Wie heute ist es mir in Erinnerung. Die Hand stützte sich gegen die Wand und ich fasste erneut Mut zum zweiten Schritt. Männerstimmen dringen von den Zimmern, die es im Gang hinauf viele gab, zu mir. Dann habe ich die Tür im Gang erreicht, die meines Weges Ziel sein sollte: Das Apartment 63 0 3. Das kleine rote Schildchen an der Wand sah so unscheinbar aus. Wie damals. Niemals hätte man gedacht, würde man nur das Schild sehen, zu welch üblem und bösen Aparat es gehört. Klopf. Klopf. Ich war drauf und dran zu gehen. Plötzlich ging die Türklinke hinunter... zu Spät.

II.

"Treten Sie ein." Ich tat, was die dunkle Stimme mir befahl. Diese raue Art. "Setzen." Ich setzte mich. Der Raum war in einem frischem Grün gehalten, Pflanzen hier und dort, aber diese anscheinend positive Fassade war nur ein kleiner Lichtblick, wenn man sich den Menschen ansieht, der dort arbeitet. "Rockberg, Olaf" stand auf seinem Kärtchen. "Staatsanwaltschaft Krähenfels". Üblicher Spruch: "Zigarette?" Ich winkte ab und nahm eine eigene. "Hören Sie, Herr K.", und er Sprach meinen Namen abfällig aus als wäre ich verurteilter Mörder, "der ausgemachte Termin, der ..:", er nahm einen Zettel hinaus mit einem Stempel, für mich, zum Beweis meiner Anwesenheit," ist wie geschrieben ein Gehalten worden." - "Scheint so." Er nickte und qualmte dabei. Etwas breiter, etwas unästhetischer als ich. Stärker. Rauer. "Ein Eigengeständnis führt Sie zu uns." Ich nickte. Ja. Ich wollte mich stellen. Das war der Plan.

III.

"Schiessen Sie los." Er versuchte freundlich zu wirken.
Ich begann zu erzählen. Er hörte zu. Ich weiß nicht, wie lange ich das Vergehen schilderte, aber immer und immer wieder tat er so, als würde ihm nichts heiliger sein als meiner Geschichte gespannt und Aufmerksam zu lauschen. Dann war ich fertig. "Das wars so weit.." Die Freundlichkeit vom Anfang war nicht mehr zu spüren. Das Gegenteil tritt ein. Er wurde Bürokratisch. - "Nun. Unterschreiben Sie hier. Wir werden Sie dann in U-Haft nehmen müssen." Für ein Eigengeständnis bekommt man linderungen des Urteils im Prozess, wird sich erzählt. Sie hätten mich eh gekriegt, redete ich mir ein, während ich unterschrieb. "M.K., Krähfels dem .." Das Übliche. Er nickte. "Die richtige Entscheidung. Sie bekommen, was Sie verdienen. Die richtige." Ich versuchte, ihm zu glauben, mein Gewissen damit zu erleichtern und mir und scheinbar der ganzen Welt diesen gefallen abzukaufen. Vergebens. Er entnahm mir den Zettel und verwahrte ihn im Ordner. Die Kraft der Runen. Ich wünschte, ich hätte die Kraft wie er, diesen Ordner einfach zu nehmen und aus dem Fenster zu schmeißen! Weg, ins Wasser, für immer verschollen. Hunderte Geständnisse verworfen. Hunderte Seelen entlastet. Ein schweres Vergehen wie das meinige jedoch, das kann durch einen Wurf nicht entlastet werden. Auf die Frage, was ich denn Eigentlich gemacht habe, Antworte ich niemals. Ich bringe es nicht übers Herz. Vielleicht hätte ich es tun sollen, ja, vielleicht, dann würde ich wohl nicht hier sitzen, hätte ich das Gespräch gesucht mit Menschen, die mir lieb sind und nicht mit korpulenten Staatsmännern wie Olaf. Falls es Sie interessiert, was ich verbrochen habe: Nun, die Geschichte des Geständnisses, meine Stunde Null, der Fall vor dem Aufschlag - Nun ja. Die ist wichtiger als jenes eigentliche Vergehen. Denn ohne ihr wäre es nur gehandelt und nicht bestraft und das Geständnis ohne Geständnis wäre keines mehr. Macht mein Leben Sinn? Ja. Bereue ich es? Ja. Aber ich beschwere mich nicht. Nein, das steht nicht in meiner Macht.


Ende:

Ich pustete den Qualm auf den Tisch von Olaf. Der letzte rebellische Akt meines Lebens. Ich bin längst tot, während Sie diese Zeilen lesen. Lesen Sie zwischen den Zeilen. Wenige Minuten später wurde ich abgeführt. Große, in schwarz gekleidete Männer. Beide Arme meines Körpers umschlungen von den ihren. Stark, schwer. Ich hätte keine Chance. "U-Haft". Ich wurde nicht in U-Haft gesteckt. Ich wurde in eine kleine Zelle mit 4 anderen Miteinsassen verfrachtet. Wir alle hatten den selben Weg begangen. Zu jedem war der Herr Staatsanwalt ähnlich wie zu mir. Aber von der grünen Wand, der geheuchelten - aber immerhin vorhandenen - Freundlichkeit des Anfanges war nicht mehr viel übrig geblieben. "Na? Auch wegen ..." Ja. Die selbe Geschichte. 5 Männer in dieser Zelle, aber 5000 in der Anstalt.
Und 6 Millionen insgesamt.
Und dann: eine Träne im Gesicht.
11.12.08 23:39
 


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